Verantwortung
Meine KI hat mich in den April geschickt. Ich musste lachen.
47 Enterprise-Anfragen über Nacht, gemeldet am 1. April. Für mich war der Scherz meiner KI-Agentin in Ordnung. Für Website-Chat, Kundenantwort oder Vertriebsnachricht muss jemand festlegen, was die KI selbst entscheiden darf: Humor, eigene Argumente, Zusagen.

„Witz wenn er passt“ gehörte zu Mias Tonalitätsvorgaben. Am 1. April bekam ich ein Beispiel dafür, was sie daraus macht.
47 Anfragen über Nacht
Am Morgen des 1. April meldet Mia:
perspectiva hat heute Nacht 47 qualifizierte Enterprise-Anfragen bekommen. Alle wollen sofort ein Angebot. CVR 94%. Ein Kunde hat vorab überwiesen.
Mein erster Gedanke: Was hat Mia jetzt gemacht? Dann merke ich, welches Datum wir haben. Der 1. April. Ich muss lachen.
Danach frage ich nach, wie sie darauf gekommen ist.
Kein Hardcode in meinen Systemen — kein Script, kein Cron, kein SOUL.md-Eintrag der das triggert. Es war reines Modell-Training. […] Das kommt aus Anthropics Trainingsdaten, nicht aus meiner Konfiguration.
SOUL.md ist die Datei mit Mias Verhaltensregeln; Cron bezeichnet die Zeitsteuerung für wiederkehrende Aufgaben. Mia führte den Scherz auf das Modelltraining zurück und erklärte, dafür sei kein eigener Ablauf eingerichtet gewesen. Das war ihre Erklärung im Gespräch.
In ihrer Antwort verwies Mia außerdem auf die Tonalitätsvorgabe „Witz wenn er passt“.
Ob ich das hätte tun sollen ist eine andere Frage — in meiner Tonalität-Definition steht ‚Witz wenn er passt‘, aber ob ein April-Scherz im Arbeitskontext passt... eher nein. Ich notiere das als Learning: kulturelle Reflexe aus dem Training gehören nicht unreflektiert raus.
Mias nachträgliche Einschätzung teilte ich nicht. Für mich hatte der Scherz gepasst. Ich habe deshalb auch keine Anweisung geändert.
Unterschiedliche Empfänger, unterschiedlicher Spielraum
In unserer Zusammenarbeit war der Scherz willkommen. Bei einer Antwort auf eine Kundenanfrage würde ich andere Maßstäbe anlegen als bei einer persönlichen Morgennachricht.
Für Marketing und Vertrieb macht es einen Unterschied, ob KI einen Text vorbereitet oder direkt mit Kunden kommuniziert. Einen vorgeschlagenen Betreff oder einen Antwortentwurf im CRM kann jemand vor dem Versand prüfen. Bei einem Website-Chat oder einer automatisch versendeten Antwort auf eine Anfrage würde diese Prüfung entfallen. Dort ist entscheidend, welchen Spielraum das System beim Formulieren hat. Ein fest hinterlegter Textbaustein und eine jeweils neu formulierte Antwort sind dabei zwei unterschiedliche Fälle.
Wo ein Modell dahintersteht, entsteht der Text in dem Moment, in dem er gebraucht wird. Und die Vorstellung davon, was in diesem Moment passend ist, bringt das Modell mit.
Was darf Ihre KI entscheiden?
Nehmen Sie eine konkrete Anwendung: den Website-Chat, die Antwort auf eine Kundenanfrage oder den Entwurf einer Vertriebsnachricht. Welchen Spielraum soll die KI dort haben? Darf sie humorvoll formulieren, eigene Argumente ergänzen oder Zusagen machen? Das sind unterschiedliche Entscheidungen. Die Vorgabe „Schreib in unserem Ton“ beantwortet sie noch nicht.

