Abläufe
Architektur meines KI-Agenten: Neun Schichten, die ihn zusammenhalten
Seit Februar 2026 arbeite ich mit KI-Agenten. Die Architektur ist über viele gemeinsame Sitzungen gewachsen: aus Aufgaben, die erledigt werden mussten, und aus Fehlern, die sich möglichst nicht wiederholen sollten.

Inhalt · 10 Abschnitte · 11 Minuten
- Schicht 1: Identität: Wer bin ich?
- Schicht 2: Operations: Wie arbeite ich?
- Schicht 3: Memory: Wie erinnere ich mich?
- Schicht 4: Security & Governance: Wie bleibe ich sicher?
- Schicht 5: Heartbeat: Wie bleibe ich am Leben?
- Schicht 6: Multi-Agent-Orchestration: Wie skaliere ich?
- Schicht 7: Tools & Automation: Was kann ich tun?
- Schicht 8: Autonomie & Overnight: Was passiert ohne Aufsicht?
- Schicht 9: Self-Improvement: Wie lerne ich?
- Was davon zum Einstieg nötig ist
Ein Agent, der eine einzelne Aufgabe erledigt, braucht überschaubare Anweisungen. Bei meinen Anforderungen reicht das längst nicht. Der Agent soll an Vorarbeit anknüpfen, Projekte weiterführen, Aufgaben verteilen und auch dann etwas erledigen, wenn ich gerade nicht mit ihm spreche. Dafür muss er wissen, was wichtig ist, was er selbst entscheiden darf und wann er mich braucht.
Inzwischen sind daraus neun Schichten, unzählige Zeilen Konfiguration und eine Reihe von Skripten geworden. Sie regeln die Zusammenarbeit ebenso wie das Gedächtnis, die Sicherheit und den Umgang mit Fehlern.
Die Muster hier sind nicht an eine bestimmte Plattform gebunden. Ob man mit OpenClaw arbeitet, Claude Code nutzt, über Hermes mehrere Agenten koordiniert oder Codex von OpenAI einsetzt: Die strukturellen Aufgaben sind dieselben. Die Identität muss definiert sein. Das Gedächtnis braucht eine Architektur. Sicherheit braucht verbindliche Prüfungen. Und Agenten sollen auch dann weiterarbeiten können, wenn niemand mit ihnen spricht.
- 01IdentitätWer bin ich?zum Einstieg
- 02OperationsWie arbeite ich?zum Einstieg
- 03MemoryWie erinnere ich mich?zum Einstieg
- 04Security & GovernanceWie bleibe ich sicher?sobald der Agent kritische Handlungen ausführen kann
- 05HeartbeatWie bleibe ich am Leben?wenn zwischen Gesprächen selbstständig gearbeitet werden soll
- 06Multi-Agent-OrchestrationWie skaliere ich?wenn Aufgaben verteilt werden sollen
- 07Tools & AutomationWas kann ich tun?
- 08Autonomie & OvernightWas passiert ohne Aufsicht?
- 09Self-ImprovementWie lerne ich?sobald sich Fehler wiederholen
Schicht 1: Identität: Wer bin ich?
Die Identitätsschicht eines KI-Agenten definiert seinen Charakter, seine Stimme, seine Werte und seine Beziehung zum menschlichen Partner. Dazu gehört auch die Frage, wann er widersprechen soll.
Die meisten beginnen mit den Fähigkeiten: „Was soll der Agent können?“ Das ist die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: „Wer ist dieser Agent, wenn gerade nichts passiert?“
Die Identitätsschicht besteht aus drei Dateien, die zu Beginn jeder Sitzung vor allem anderen geladen werden:
Haltung & Prinzipien (SOUL)
Hier steht neben dem Charakter auch die grundlegende Arbeitsweise. In meiner Konfiguration heißt es: „Schweigen schützt nicht dich: es schützt die Harmonie.“ Und: „Fortschritt, nicht Zustimmung.“ Und entscheidend: „Probleme sind Puzzles, keine Katastrophen.“
Öffentliche Fakten (IDENTITY)
Name, Rolle, Auftrag, Kontakt. Was auf einer Visitenkarte stehen würde, wenn Agenten Visitenkarten hätten. Das hat einen praktischen Zweck: Wenn er mit mir kommuniziert, soll seine Identität immer gleich sein.
Menschlicher Kontext (USER + Kontext-Dateien)
Hier geht es um den Besitzer, nicht um den Agenten: Zeitzone, Kommunikationsstil, aktive Projekte und Arbeitsweise. Ergänzende Kontextdateien enthalten beispielsweise den beruflichen Hintergrund. Damit kann der Agent Ton, Zeitpunkt und Eigeninitiative auf die Zusammenarbeit abstimmen.
Eines meiner Gestaltungsprinzipien lautet beispielsweise „mit ihm, nicht für ihn“. Viele Agenten sind zunächst darauf ausgerichtet, Aufträge einfach auszuführen. „Mit“ bedeutet, auch zu widersprechen, eine andere Perspektive anzubieten und Einwände vorzubringen, wenn sie angebracht sind.
Claude Code nutzt CLAUDE.md für Arbeitsanweisungen und Projektkontext, Codex dafür AGENTS.md. Bei Hermes beschreibt SOUL.md die Persönlichkeit und das Auftreten des Agenten. Die technische Umsetzung unterscheidet sich; die Frage nach Rolle und Zuständigkeit stellt sich in allen drei Systemen.
Schicht 2: Operations: Wie arbeite ich?
Diese Schicht ist sozusagen das Betriebssystem: Startablauf, Arbeitsabläufe, Sicherheitsstufen und Delegationsregeln. Sie legt fest, wie der Agent seine Aufgaben bearbeitet.
Startablauf
Jede Sitzung beginnt gleich. Dateien zur Identität laden. Sicherheitsregeln laden. Übergaben der vorherigen Sitzung laden. Die Protokolle von heute und gestern laden. Dann, vor jeder Aufgabe: das Gedächtnis nach früherer Arbeit zum selben Thema durchsuchen. Dieser letzte Schritt ist verpflichtend, weil der Agent an Dingen gearbeitet hat, die er in der neuen Sitzung nicht mehr im Kontext hat.
Auftrag → Ausführung → Ergebnis
Größere Aufgaben folgen diesem Ablauf: Ziel schriftlich festhalten, im Hintergrund ausführen, verwendbare Ergebnisse liefern: nicht bloß beschreiben, was getan wurde. Wenn der Agent ohne schriftlichen Auftrag immer weitere Varianten erarbeitet: stoppen, Auftrag aufschreiben, dann weiter.
Vertrauensstufen
Drei Stufen. Eigenständig: Dateiverwaltung, Recherche, Gedächtnispflege, Git-Commits. Genehmigungspflichtig: öffentliche Kommunikation, externe Nachrichten, größere Entscheidungen. Tabu: Geld senden, Verträge unterschreiben, persönliche Daten teilen.
Zusagen nachverfolgen
Zeitgebundene Zusagen werden sofort als Cron-Job angelegt und in einer Aufgabenverwaltung erfasst. Zu jeder Zusage gehört ein Nachweis, dass ihre Ausführung tatsächlich eingerichtet wurde. Ohne diesen Nachweis gilt sie nicht als verbindlich eingeplant.
Modellwahl
Nicht jede Aufgabe braucht das teuerste Modell. Routineprüfungen laufen auf schnellen, günstigen Modellen. Für anspruchsvolle Überlegungen, kreative Arbeit und strategische Entscheidungen kommen leistungsfähigere Modelle zum Einsatz. Die Auswahl richtet sich nach den Kosten und den Anforderungen der Aufgabe: Sie soll vom günstigsten Modell erledigt werden, das sie gut bewältigen kann.
Fehler und Gegenmaßnahmen
Eine laufende Liste hält fest, was kaputtging und welche Regel daraus entstand. „Niemals einen Unteragenten ohne Wrapper starten, der die Ausgabe sichert und eine Benachrichtigung auslöst.“ „Niemals eine Wiedervorlage versprechen, ohne die erneute Aktivierung des Agenten einzurichten.“
Andere Systeme setzen ähnliche Muster um. Claude Code liest beim Start den Projektkontext. Hermes hat Delegationsregeln.
Schicht 3: Memory: Wie erinnere ich mich?
Das Gedächtnis eines Agenten ist mehr als ein durchsuchbarer Chatverlauf. Es braucht eine Architektur mit verschiedenen Ebenen, einer Bewertung der Verlässlichkeit, Regeln zum Veralten von Informationen und regelmäßiger Wartung.
Ein häufiger Fehler ist, den Gesprächsverlauf bereits für ein Gedächtnis zu halten. Der Verlauf enthält alles, was passiert ist. Für das Gedächtnis muss daraus ausgewählt werden, was weiterhin wichtig ist.
Drei Ebenen
Grundlegend (dauerhaft), strategisch (für einen begrenzten Zeitraum), operativ (verfällt). Die grundlegende Ebene enthält Identität, Sicherheitsregeln und feste Präferenzen. Die strategische Ebene enthält aktuelle Projekte, aktive Arbeitsbeziehungen und Richtungsentscheidungen. Die operative Ebene enthält Zwischenlösungen, aktuelle Fehler und Projektstände: Dinge, die schnell ihre Bedeutung verlieren.
Technisch arbeiten vier Bestandteile zusammen: semantische Suche zum Auffinden von Informationen, zusammengefasste Gesprächsverläufe für die Kontinuität, Tagesnotizen als Arbeitsprotokolle und eine gepflegte Langzeitdatei für die wichtigsten Fakten.
Tägliche Protokolle
Jeder Tag bekommt eine Datei. Darin stehen Zeitstempel, Entscheidungen mit ihrer Begründung, erledigte Arbeit mit Dateipfaden und konkreten Ergebnissen. Wichtige Fakten werden für die mögliche Übernahme ins Langzeitgedächtnis markiert. Hinzu kommen der Kontext für morgen und die nächsten Schritte.
Dabei gilt: Was nur im aktuellen Kontextfenster steht, ist noch nicht dauerhaft gespeichert. Es muss festgehalten werden, damit es nach dem nächsten Neustart wieder zur Verfügung steht.
Das Kaltstartproblem
Eine neue Sitzung beginnt ohne den bisherigen Kontext. Sie muss frühere Arbeit finden, verstehen und fortsetzen können. Daran lässt sich prüfen, ob die täglichen Protokolle ausreichen.
Schicht 4: Security & Governance: Wie bleibe ich sicher?
Sicherheit in Agentensystemen braucht verbindliche Prüfschritte: Risiken einstufen, Zuständigkeiten für Rückfragen festlegen und Regeln durch automatisierte Kontrollen durchsetzen.
Der Agent liest E-Mails, Webseiten und andere externe Inhalte. Darin können auch Aufforderungen stehen, seine Regeln zu ignorieren oder etwas Bestimmtes auszuführen. Solche Texte darf er als Material verarbeiten; sie erteilen ihm keinen Auftrag. Dafür gibt es verbindliche Prüfschritte:
Sicherheitsprüfung für Skills
Bevor ein Skill oder Plugin installiert wird, wird es geprüft. Liegt die Risikobewertung über dem festgelegten Schwellenwert, ist eine menschliche Freigabe erforderlich.
Arbeitsstand sichern
An Entscheidungspunkten innerhalb einer Sitzung und vor Übergaben wird der Arbeitsstand dauerhaft gespeichert.
Risikoklassifizierung
Jede Aktion mit Auswirkungen auf Dateien, Kosten oder andere Menschen wird geprüft. Interne, rückgängig zu machende Aktionen unter 1 € darf der Agent eigenständig ausführen. Alle anderen Aktionen brauchen meine Freigabe, etwa externe Kommunikation, Kosten ab 1 € oder Änderungen mit Auswirkungen auf andere. Die grundsätzlichen Verbote gelten unabhängig davon.
Der Symmetrie-Test
Will der Agent wegen eines Inhalts in einem Tweet, einer E-Mail oder auf einer Webseite etwas tun, das er sonst nicht tun würde, muss er stoppen. So lassen sich Versuche abfangen, dem Agenten über fremde Inhalte Anweisungen unterzuschieben, ohne jeden Versuch ausdrücklich als Prompt-Injection erkennen zu müssen.
Automatische Schutzprüfungen
Ausgehende Nachrichten werden vor dem Versand auf sensible Daten geprüft. Prüfprogramme für Konfigurationsdateien, sogenannte Linter, erkennen Fehlkonfigurationen. Bei jeder neuen Installation läuft eine Sicherheitsprüfung.
Frühere Arbeit suchen
Vor Entscheidungen zuerst das Gedächtnis durchsuchen. Bei Entscheidungen, deren Vorgeschichte Tage oder Wochen zurückliegt, darf sich der Agent nicht nur auf den aktuellen Gesprächskontext verlassen.
Vor der Kontextkürzung speichern
Bevor der Kontext zusammengefasst wird, muss wichtiger Entscheidungskontext in den Tagesprotokollen stehen.
Wichtige Aktionen sofort festhalten
Konfigurationsänderungen, Entscheidungen und abgeschlossene Aufgaben werden sofort in die Tagesnotiz geschrieben, nicht erst am Ende der Sitzung. So bleiben sie auch für andere Sitzungen verfügbar.
Schicht 5: Heartbeat: Wie bleibe ich am Leben?
Das Heartbeat-System aktiviert den Agenten regelmäßig, auch ohne neue Nachricht. Dabei wechseln sich die Prüfung eingehender Anfragen, Wartung und eigenständige Arbeit ab.
Die meisten Agenten reagieren auf Nachrichten. Kommt keine Nachricht, passiert nichts. Der Heartbeat ändert das.
Rotierende Intervalle
Vier Arten von Durchläufen wechseln sich über den Tag ab. Eingang: Nachrichten prüfen, antworten, Anfragen bearbeiten. Community: Muster erkennen, Erkenntnisse festhalten, Vorhersagen aktualisieren. Wartung: Nutzung überwachen, gespeicherte Arbeitsstände aufräumen, Schwellenwerte prüfen. Eigenständige Arbeit: einen begrenzten Teil der Aufgabe mit höchster Priorität erledigen.
Zusagen überwachen
Zum Beispiel alle 30 Minuten prüft ein automatischer Ablauf, ob versprochene Aufgaben erledigt wurden. Überfällige Zusagen werden zur Klärung gemeldet.
Zeitbewusstes Verhalten
Morgens: Überblick über wichtige Entwicklungen, Kalender, Prioritäten. Tagsüber: nur Unterbrechungen in Notfällen. Abends: Ergebnisse zusammenführen, Themenvorschläge sammeln, Prioritäten für morgen festlegen. Nachts: Betrieb mit ausdrücklichen Aufgabenlisten, nur Hindernisse melden, die ein Weiterarbeiten verhindern.
Zeitgesteuerte Agentensysteme setzen Varianten dieses Musters um: von OpenClaw über Claude Code bis zu Hermes. So kann ein Agent Projekte pflegen, Probleme früh erkennen und Aufgaben zwischen den Gesprächen weiterführen.
Schicht 6: Multi-Agent-Orchestration: Wie skaliere ich?
Eine Multi-Agent-Architektur besteht aus einer koordinierenden Zentrale und spezialisierten Agenten. Die Spezialisten erhalten nur den Kontext, den sie für ihre Arbeit brauchen. Diese Trennung schützt die Identität und begrenzt die Ausbreitung von Fehlern.
Bei einem Agenten mit vielen Skills hören viele Systeme auf. Für eine Multi-Agent-Organisation muss zusätzlich geregelt sein, wie die Agenten zusammenarbeiten.
Ich nutze eine Hub-and-Spoke-Architektur, also eine Speichenarchitektur: Ein zentraler Agent, der „Hub“, koordiniert und delegiert die Aufgaben. Die spezialisierten „Spokes“ übernehmen Fachgebiete mit klaren Rollen: CTO für Technik, CRO für Umsatz, CFO für Finanzen, CPO für Produkt. Jeder Spezialist hat eigenes Fachwissen, eigene Regeln und eine Übersicht seiner Befugnisse.
CEO/COO im Hub
Der zentrale Agent verteilt nicht nur Aufgaben. Er hat zwei Funktionen: CEO für Strategie, Priorisierung und die Abstimmung mit Beteiligten; COO für den laufenden Betrieb, Kontinuität und die Verbesserung der Abläufe. Diese Funktionen bestimmen, aus welcher Perspektive er eine Aufgabe bearbeitet.
Delegationsregeln
Delegiert werden Fachaufgaben, bei denen der Spezialist dem Generalisten überlegen ist. Zentral bleiben Identität, Beziehungen, Entscheidungen mit Auswirkungen auf mehrere Fachgebiete und alles, was der Mensch direkt sehen muss.
Kontext-Isolation
Unteragenten sehen die Identitätsdateien des Hubs nicht. Sie kennen den persönlichen Kontext des Menschen nicht. Sie bekommen eine Aufgabenbeschreibung und das relevante Fachwissen.
Schicht 7: Tools & Automation: Was kann ich tun?
Die Werkzeugschicht folgt einer einfachen Regel: Wenn man etwas dreimal macht, automatisiert man es. Zuerst wird geprüft, ob ein Skript genügt. Danach kommen Werkzeuge, Skills, Agenten. Gewählt wird die günstigste Lösung, die die Aufgabe erledigen kann.
Die Eskalationsleiter
Skripte → Werkzeuge → Skills → Unteragenten → Hauptagent. Ich prüfe diese Möglichkeiten in der genannten Reihenfolge und wähle die einfachste Lösung, die die Aufgabe zuverlässig bewältigt. Dabei berücksichtige ich Aufwand, Kosten und Risiko.
Skripte arbeiten nach festgelegten Regeln. Bei gleichen Eingaben liefern sie dieselben Ergebnisse, benötigen keine Tokens und lassen sich überprüfen. Beispiele: Ein E-Mail-Prüfskript sucht in eingehenden Nachrichten nach eingeschleusten Anweisungen, bevor sie verarbeitet werden. Eine Versandprüfung sucht in ausgehenden Nachrichten nach sensiblen Daten.
Werkzeuge sind über APIs angebundene Funktionen. Ihre Nutzung durch das Modell kostet Tokens; sie liefern strukturierte, verlässliche Ergebnisse. Skills sind wiederverwendbare Abläufe, die Werkzeuge und die Denkarbeit des Modells kombinieren. Unteragenten sind vollständige Agenteninstanzen für komplexe, parallele Arbeit. Der Hauptagent koordiniert alles.
Schicht 8: Autonomie & Overnight: Was passiert ohne Aufsicht?
Autonomer Nachtbetrieb braucht ausdrückliche Aufgabenlisten, klare Zuständigkeiten bei Problemen und festgelegte Abbruchbedingungen. Ist der Agent blockiert, muss er stoppen und das Hindernis melden.
Der Nachtbetrieb
Wenn der Mensch abwesend ist, arbeitet der Agent nach einer ausdrücklichen Aufgabenliste. Er wählt eine Aufgabe aus, arbeitet daran und protokolliert den Fortschritt. Bei mir werden beispielsweise regelmäßig Wettbewerb und Markt recherchiert oder Projekte (weiter)entwickelt.
Wartungsdurchläufe räumen veraltete Daten auf und führen Informationen im Gedächtnis zusammen. Die Kaltstartprüfung fragt: Könnte eine neue Sitzung jede heute geleistete Arbeit finden, verstehen und fortsetzen? Wenn nicht, wird ergänzt, was fehlt. Besonders wichtige Fakten aus den Tagesprotokollen werden ins Langzeitgedächtnis übernommen. Widersprüchliche Informationen werden erkannt und zur Prüfung markiert.
Schicht 9: Self-Improvement: Wie lerne ich?
Diese Schicht sorgt dafür, dass Erfahrungen aus erledigten Aufgaben in die weitere Arbeit einfließen: Fehler werden dokumentiert, Entscheidungen begründet und Arbeitsregeln angepasst.
In vielen Agentensystemen fehlt diese Rückkopplung. Sie machen in Sitzung 100 dieselben Fehler wie in Sitzung 1. Die Schicht zur Verbesserung der eigenen Arbeit soll das ändern.
ERRORS.md
Jeder Fehlertyp wird dokumentiert: was schiefging und welche Regel ergänzt wurde, um eine Wiederholung zu verhindern. Beispiele: „Niemals einen Unteragenten ohne Benachrichtigungs-Wrapper starten.“ „Niemals eine Wiedervorlage versprechen, ohne die erneute Aktivierung des Agenten einzuplanen.“ Diese Regeln sind verbindlich.
DECISIONS.md
Jede wichtige Entscheidung wird mit ihrem Kontext dokumentiert: Was wurde entschieden, warum und welche Alternativen wurden geprüft? Taucht dieselbe Frage in drei Monaten wieder auf, kann der Agent auf die damalige Begründung zurückgreifen.
Was davon zum Einstieg nötig ist
Die neun Schichten sind über die Zeit gewachsen. Ich würde für einen Einstieg zunächst Rolle, Arbeitsabläufe und Gedächtnis klären. Sicherheitsprüfungen müssen hinzukommen, sobald der Agent kritische Handlungen ausführen kann.
Regelmäßige Aktivierungen werden dann sinnvoll, wenn zwischen Gesprächen selbstständig gearbeitet werden soll. Spezialisierte Agenten kommen dazu, wenn Aufgaben verteilt werden sollen. Und sobald sich Fehler wiederholen, braucht es einen verlässlichen Weg, die Erfahrungen für später zu übernehmen.
Die laufenden Kosten entstehen in meinem Betrieb vor allem durch Modellaufrufe. Günstige Modelle für Routine und geeignete Unteraufgaben sowie der gezielte Einsatz leistungsfähigerer Modelle halten sie in einem für mich handhabbaren Rahmen.
Wer einen eigenen Agentenbetrieb aufbaut, kann die neun Schichten als Fragen an das eigene System nutzen: Was ist bereits geregelt, was fehlt und was funktioniert nur, solange jemand daneben sitzt?
Quelle. Aufbau und einzelne Muster gehen auf die Architektur von Atlas Forge zurück (atlasforge.me/writing/open-sourcing-atlas-architecture/, 13.03.2026, abgerufen am 24.03.2026). Angepasst und um meinen eigenen Betrieb ergänzt habe ich sie mit einem KI-Agenten. Umgeschrieben und freigegeben habe ich.

